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Internetzugang

Internetzugang absichern – Wenn der Bagger das Kabel trifft

Die unsichtbare Grundvoraussetzung

Strom und Internet – das sind die zwei Dinge, ohne die heute praktisch nichts mehr geht. Strom fällt selten aus, und wenn, dann kurz. Internet fällt häufiger aus – und ein Ausfall kann Stunden bis Tage dauern, je nachdem was ihn verursacht hat.

Die häufigsten Ursachen: ein Baggerunfall, der das Glasfaserkabel im Straßenbereich durchtrennt. Ein defekter Router. Eine Störung beim Provider. Ein Firmware-Update, das den Router in einen unbrauchbaren Zustand versetzt. Oder schlicht: der Provider führt Wartungsarbeiten durch und hat die Ankündigung dazu in deinem Spam-Ordner gelandet.

All das sind Szenarien, auf die du keinen Einfluss hast – aber auf die du vorbereitet sein kannst.

Kenne deine Zugangsdaten

Fangen wir mit dem Einfachsten an: Weißt du, wie deine Zugangsdaten für den Internetanschluss lauten?

Bei den meisten DSL- und Glasfaseranschlüssen gibt es Zugangsdaten, mit denen sich der Router beim Provider einwählt – Benutzername und Passwort, die in der Regel bei der Einrichtung einmalig eingegeben wurden und seitdem irgendwo im Router gespeichert sind. Wenn der Router defekt ist und du spontan einen Ersatzrouter einrichten willst, brauchst du genau diese Daten.

Das Problem: Die meisten Menschen haben sie nie notiert. Sie stehen irgendwo in den Vertragsunterlagen oder in einer alten E-Mail des Providers – oder gar nicht mehr auffindbar.

Was du jetzt tun solltest: Ruf die Zugangsdaten aus dem Router-Interface ab – bei einer Fritz!Box zum Beispiel unter fritz.box → Internet → Zugangsdaten. Notiere sie in deinem Notfalldokument. Wenn du sie dort nicht findest, ruf beim Provider an und lass sie dir zusenden – bevor du sie im Notfall brauchst.

Hinweis: Bei manchen Providern und Anschlusstypen, insbesondere bei neueren Glasfaseranschlüssen, werden die Zugangsdaten automatisch über den ONT (den Glasfaser-Abschlusspunkt) übergeben. In diesem Fall braucht ein kompatibler Ersatzrouter keine manuellen Zugangsdaten. Prüfe das für deinen konkreten Anschluss – am besten beim Provider nachfragen.

Router-Backup: Was viele vergessen – obwohl es so einfach ist

Ein Router ist nicht nur ein Gerät – er ist ein konfiguriertes System. WLAN-Name, WLAN-Passwort, Portweiterleitungen, VPN-Einstellungen, Telefonieprofil, verbundene Geräte – all das steckt in der Konfiguration. Wenn der Router defekt ist und du ihn ersetzen musst, willst du das nicht von Grund auf neu einrichten.

Die Lösung ist einfach: Erstelle regelmäßig ein Backup der Router-Konfiguration und speichere es lokal – nicht nur auf dem Router selbst. Bei einer Fritz!Box geht das unter fritz.box → System → Sicherung. Das erzeugte Backup-File kannst du auf einem neuen Gerät wiederherstellen und bist in wenigen Minuten wieder mit denselben Einstellungen online.

Empfehlung: Erstelle ein Router-Backup nach jeder größeren Konfigurationsänderung und mindestens einmal jährlich. Bewahre es zusammen mit den Zugangsdaten im Notfalldokument oder in deinem Backup-System auf.

Merksatz: Der Router ist ein vollwertiges Gerät mit einer Konfiguration, die du aufgebaut hast. Er braucht ein Backup – genau wie dein Laptop und dein NAS.

Fallback 1: Mobiler Hotspot über das Smartphone

Die schnellste und einfachste Notfalllösung: das Smartphone als WLAN-Hotspot. Praktisch jedes moderne Smartphone kann seinen Mobilfunk-Datenzugang als WLAN teilen – Laptop und andere Geräte verbinden sich dann über das Handy mit dem Internet.

Das reicht für leichte Arbeit: E-Mails, Videokonferenzen, Cloud-Zugriff, Recherche. Für bandbreitenintensive Aufgaben – große Datei-Uploads, Video-Streaming, Backups – ist es weniger geeignet.

Was du beachten musst:

  • Dein Mobilfunktarif muss Hotspot-Nutzung erlauben – die meisten modernen Tarife tun das, aber prüfe es vorher.
  • Das Datenvolumen deines Tarifs wird durch den Hotspot verbraucht. Bei einem Tarif mit begrenztem Volumen kann das schnell teuer werden.
  • Der Akku des Smartphones wird durch den Hotspot erheblich belastet – halte ein Ladekabel bereit.
  • Teste den Hotspot einmal vorab, damit du im Notfall weißt, wo die Einstellung ist und wie du dich verbindest.

Fallback 2: Mobiler 5G/LTE-Router

Wer häufig im Homeoffice arbeitet oder auf eine stabile Verbindung angewiesen ist, sollte über einen mobilen Router als dauerhafte Backup-Lösung nachdenken. Diese Geräte – auch als MiFi-Router oder Pocket-Router bekannt – funktionieren wie ein verbesserter Smartphone-Hotspot: Sie haben eine eigene SIM-Karte, bieten stabile WLAN-Verbindungen für mehrere Geräte gleichzeitig und können oft direkt ans Stromnetz angeschlossen werden.

Entscheidend: Die SIM-Karte sollte bei einem anderen Anbieter als dein Festnetz sein. Ein Baggerunfall, der das Glasfaserkabel trifft, betrifft deinen DSL-Anschluss – nicht das Mobilfunknetz. Beide Ausfälle gleichzeitig sind sehr unwahrscheinlich.

Optionen:

  • Prepaid-SIM im mobilen Router: Günstig in der Anschaffung, zahle nur wenn du ihn brauchst. Nachteil: Prepaid-Guthaben läuft ab, wenn du es nicht regelmäßig aufladest.
  • Zweitvertrag mit kleinem Datenvolumen: Monatliche Kosten, aber immer einsatzbereit. Für Selbständige mit hohem Bedarf an Erreichbarkeit eine sinnvolle Investition.
  • eSIM als Reserve: Manche Laptops und Smartphones unterstützen eSIM – eine zweite, digitale SIM-Karte, die ohne physisches Einlegen aktiviert werden kann. Im Notfall schnell aktiviert, kein Hardware-Aufwand.

Was bei einem Provider-Ausfall zu tun ist

  1. Prüfen ob es eine allgemeine Störung ist – die meisten Provider haben eine Störungsseite oder eine App. Alternativ: allestörungen.de oder die Community-Foren des Anbieters.
  2. Router neu starten – klingt trivial, löst aber erstaunlich viele Probleme.
  3. Mobilfunk-Hotspot aktivieren und weiterarbeiten.
  4. Störung beim Provider melden – Ticketnummer notieren, sie ist wichtig für eventuelle Kulanzanfragen bei längeren Ausfällen.
  5. Bei längeren Ausfällen: Kunden und wichtige Kontakte informieren. (Siehe Kapitel Kommunikationskanäle absichern.)

Tipp: Bei nachgewiesenen Ausfällen über 24 Stunden haben Kunden gegenüber ihrem Provider in der Regel Anspruch auf anteilige Erstattung der Grundgebühr. Dokumentiere den Ausfall mit Datum und Uhrzeit.

Unterwegs sicher ins Netz – öffentliche WLANs und mobiles Arbeiten

Café, Coworking-Space, Bahn, Hotel, Flughafen – für Selbständige ist mobiles Arbeiten Alltag. Der Internetzugang dort ist oft bequem und kostenlos. Er ist aber auch die unsicherste Netzwerkumgebung, in der du dich regelmäßig bewegst.

Was öffentliche WLANs riskant macht

In einem öffentlichen WLAN weißt du nicht, wer sonst noch im selben Netz ist. Angreifer können in einem öffentlichen Netz den Datenverkehr anderer Teilnehmer mitlesen – sofern dieser nicht verschlüsselt ist. Noch problematischer: sogenannte „Evil Twin"-Angriffe, bei denen ein Angreifer ein eigenes WLAN mit demselben Namen wie das legitime Café-WLAN betreibt. Wer sich verbindet, gibt seinen Datenverkehr direkt in die Hände des Angreifers.

Das klingt nach Filmszenarien – aber die technischen Mittel dafür sind erschwinglich und der Aufwand für einen entschlossenen Angreifer gering. Wer in einem öffentlichen WLAN arbeitet, sollte das nicht ohne Schutz tun.

Was wirklich schützt – und was nicht

HTTPS schützt den Inhalt – aber nicht alles. Moderne Websites und Dienste nutzen HTTPS, was bedeutet, dass der Inhalt deiner Kommunikation verschlüsselt ist. Wer den Datenverkehr mitliest, sieht zwar, dass du mit meinbank.de kommunizierst – aber nicht was. Das ist ein erheblicher Schutz, aber kein vollständiger: Metadaten (mit wem du kommunizierst, wann, wie oft) bleiben sichtbar.

Ein VPN verschlüsselt den gesamten Datenverkehr. Ein VPN (Virtual Private Network) leitet deinen gesamten Internetverkehr durch einen verschlüsselten Tunnel zu einem VPN-Server. Für jemanden im selben WLAN ist dein Datenverkehr damit nicht mehr lesbar – er sieht nur, dass du eine verschlüsselte Verbindung zu einem VPN-Server aufbaust.

Empfehlenswerte VPN-Anbieter für Selbständige: Mullvad (anonym, pauschal 5 €/Monat), ProtonVPN (auch kostenlose Basisversion), WireGuard-basierte Lösungen auf dem eigenen Router oder NAS. Finger weg von kostenlosen VPN-Diensten unbekannter Herkunft – viele davon finanzieren sich über den Weiterverkauf von Nutzerdaten, was den Schutz ins Gegenteil verkehrt.1

Der eigene Smartphone-Hotspot ist sicherer als jedes fremde WLAN. Wer über seinen eigenen mobilen Hotspot arbeitet, ist in einem Netz, das nur er kontrolliert. Das ist die einfachste und zuverlässigste Schutzmaßnahme für sensibles Arbeiten unterwegs – und gleichzeitig die Fallback-Lösung bei Leitungsausfällen.

Konkrete Regeln für das Arbeiten unterwegs

Für normales Arbeiten (E-Mails, Recherche, Videokonferenzen über HTTPS-Dienste) in öffentlichen WLANs reicht in der Regel eine aktive VPN-Verbindung.

Für sensibles Arbeiten – Kundendaten, vertrauliche Dokumente, Zugänge zu kritischen Systemen – gilt: lieber den eigenen Hotspot nutzen als das fremde WLAN, auch mit VPN.

Drei Dinge, die du in öffentlichen WLANs grundsätzlich vermeiden solltest:

Erstens unverschlüsselte Dienste – also alles, das nicht HTTPS nutzt. Im Browser erkennbar am Schlosssymbol; ohne Schloss kein öffentliches WLAN.

Zweitens Zugänge zu kritischen Systemen ohne 2FA – wer sich ins Banking oder ins Kundensystem einloggt, sollte 2FA aktiv haben, damit ein mitgelesenes Passwort allein nicht reicht.

Drittens automatisches Verbinden mit bekannten WLANs deaktivieren – dein Gerät sollte nicht automatisch jedem WLAN beitreten, das denselben Namen hat wie ein bekanntes Netz. Diese Einstellung findet sich in den WLAN-Optionen von Windows, macOS, iOS und Android.

Checkliste: Internetzugang

  • Meine Zugangsdaten für den Internetanschluss sind notiert und im Notfalldokument.
  • Ich habe ein aktuelles Backup der Router-Konfiguration gespeichert.
  • Ich weiß, wie ich meinen Smartphone-Hotspot aktiviere, und habe ihn mindestens einmal getestet.
  • Mein Mobilfunktarif erlaubt Hotspot-Nutzung.
  • Ich habe geprüft, ob ein mobiler 5G/LTE-Router als dauerhafte Backup-Lösung sinnvoll ist.
  • Die Störungs-Hotline und Störungsseite meines Providers sind im Notfalldokument eingetragen.
  • Ich weiß, wie ich einen Ausfall dokumentiere, um eine Erstattung zu beantragen.
  • In öffentlichen WLANs nutze ich eine VPN-Verbindung oder den eigenen Hotspot.
  • Das automatische Verbinden mit bekannten WLANs ist auf meinen Geräten deaktiviert.
  • Für sensibles Arbeiten unterwegs nutze ich ausschließlich den eigenen Hotspot.

  1. Mehrere Untersuchungen haben dokumentiert, dass kostenlose VPN-Apps Nutzerdaten an Dritte weitergeben oder Tracking einsetzen. Empfehlenswert sind Anbieter mit öffentlich geprüften Datenschutzrichtlinien und No-Log-Audits, etwa Mullvad oder ProtonVPN. Einen aktuellen Überblick bietet: privacyguides.org/vpn