Schweigepflicht & KI
KI und Schweigepflicht – Ein rotes Tuch für manche Berufe¶
Wer besondere Sorgfalt braucht¶
Für manche Berufsgruppen ist die Frage, was in KI-Tools eingegeben werden darf, keine Ermessenssache – sie ist rechtlich geregelt. Wer einer gesetzlichen Schweigepflicht unterliegt, darf Informationen, die dieser Pflicht unterliegen, nicht ohne Weiteres an Dritte weitergeben. Und ein KI-Dienst auf einem US-amerikanischen Server ist zweifellos ein Dritter.
Betroffen sind unter anderem:
- Therapeuten, Psychologen, Psychiater: unterliegen der therapeutischen Schweigepflicht nach §203 StGB.
- Ärzte und Heilpraktiker: ebenfalls §203 StGB, ärztliche Schweigepflicht.
- Rechtsanwälte und Steuerberater: Mandatsgeheimnis, ebenfalls §203 StGB.
- Notare, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater: je nach Tätigkeit vergleichbare Pflichten.
- Alle, die mit Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen arbeiten: auch ohne formale Schweigepflicht besteht eine vertragliche oder gesetzliche Verschwiegenheitspflicht.
Ein Verstoß gegen §203 StGB ist eine Straftat – keine Ordnungswidrigkeit.
Was das in der Praxis bedeutet¶
Du darfst als Therapeut keine Sitzungsnotizen in ChatGPT eingeben, um eine Zusammenfassung zu erhalten – auch nicht, wenn du den Namen des Patienten weglässt, aber andere identifizierende Details enthalten sind.
Du darfst als Anwalt keine Mandanteninformationen in ein öffentliches KI-Tool eingeben, um einen Schriftsatz zu formulieren.
Du darfst als Unternehmensberater keine vertraulichen Unternehmensdaten deines Kunden in ein KI-Tool eingeben, das diese Daten zum Training nutzt.
Merksatz: Die Schweigepflicht schützt nicht nur den Namen – sie schützt alle Informationen, aus denen die betroffene Person erkennbar sein könnte. Anonymisierung muss wirklich anonym sein, nicht nur oberflächlich.
Was du stattdessen tun kannst¶
Lokale KI-Modelle: Es gibt KI-Modelle, die du lokal auf deinem eigenen Rechner betreiben kannst – ohne dass Daten an externe Server übertragen werden. Die Qualität dieser Modelle ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen und für viele Anwendungsfälle ausreichend. Der Einstieg erfordert etwas technisches Grundwissen, ist aber für IT-affine Selbständige durchaus machbar.
Business-Tarife mit Datenschutzgarantien: Viele KI-Anbieter bieten kostenpflichtige Business- oder Enterprise-Tarife an, bei denen Eingaben ausdrücklich nicht zum Training genutzt werden und DSGVO-konforme Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) abgeschlossen werden können. Prüfe, ob dein Anbieter das anbietet – und ob du einen AVV abgeschlossen hast.
Strikte Anonymisierung: Wenn lokale Modelle oder Business-Tarife keine Option sind, ist konsequente Anonymisierung der pragmatische Weg. Keine Namen, keine Orte, keine Daten, keine Details, die zur Identifikation führen könnten.
Aufgabentrennung: Nutze KI für die Teile deiner Arbeit, die keinen Personenbezug haben – Strukturierung, allgemeine Textentwürfe, Recherche zu öffentlichen Themen. Alles, was personenbezogene oder vertrauliche Daten berührt, bleibt außen vor.