Digitaler Nachlass
Der digitale Nachlass – Was passiert mit deiner IT, wenn du ausfällst?¶
Die Frage, die niemand stellen will¶
Was passiert mit deiner Website, deinen Domains, deinen Cloud-Konten, deinen Kundendaten – wenn du morgen für Wochen ausfällst? Krankheit, Unfall, im schlimmsten Fall: Tod.
Für Selbständige ist das keine abstrakte Frage. Es gibt keine Kollegen, die einspringen. Keine IT-Abteilung, die Bescheid weiß. Niemand, der automatisch Zugang hat. Wenn du ausfällst, fällt alles aus – es sei denn, du hast vorgesorgt.
Das ist kein angenehmes Thema. Es ist ein notwendiges.
Was ohne Vorbereitung passiert¶
Deine Website läuft weiter – bis die Domain abläuft oder das Hosting ausläuft. Dann ist sie weg. Deine E-Mails kommen an – bis das Konto abläuft oder gesperrt wird. Dann weiß niemand mehr, was von Kunden geschrieben wurde. Deine Kundendaten liegen auf deinem Laptop oder in der Cloud – unerreichbar für alle, die sie bräuchten. Offene Rechnungen, laufende Projekte, Verträge – niemand kann sich darum kümmern.
Das ist nicht nur ein Problem für dich. Es ist ein Problem für deine Kunden, deine Familie und alle, die nach dir aufräumen müssen.
Was du vorbereiten kannst¶
Eine Vertrauensperson benennen: Jemand, der im Notfall Zugang zu deiner digitalen Infrastruktur bekommt – und weiß, was er damit tun soll. Das ist nicht zwingend die Person, der du dein Notfalldokument anvertraust. Es kann jemand mit etwas IT-Verständnis sein, der im Notfall handeln kann.
Das Notfalldokument erweitern: Füge einen Abschnitt hinzu, der beschreibt, was im Fall deines Ausfalls zu tun ist: Welche Kunden müssen informiert werden? Welche laufenden Projekte gibt es? Wie werden offene Rechnungen bearbeitet? Wann und wie sollen Domains und Hosting gekündigt werden?
Vollmacht: Eine schriftliche Vollmacht, die einer Vertrauensperson erlaubt, in deinem Namen zu handeln – gegenüber Behörden, Anbietern, Banken. Im Ernstfall ist das unbezahlbar.
Testament und digitaler Nachlass: In deinem Testament kannst du festlegen, wer deine digitalen Assets erbt und wie mit ihnen umzugehen ist. Sprich mit deinem Anwalt darüber. Manche Cloud-Anbieter bieten auch eigene Nachlasslösungen an – zum Beispiel Google mit dem „Inaktivitäts-Manager".
Die minimalste Lösung – und sie reicht für den Anfang¶
Du brauchst nicht sofort einen vollständigen Notfallplan für alle Szenarien. Die minimalste sinnvolle Lösung ist diese:
Eine Vertrauensperson weiß, dass es ein Notfalldokument gibt und wo es liegt. Das Notfalldokument enthält genug Information, um die kritischsten Dinge zu tun: wichtige Kunden informieren, laufende Dienste geordnet beenden, Daten sichern.
Das ist kein perfekter digitaler Nachlass. Aber es ist unendlich besser als nichts – und es braucht nur einen Nachmittag, um es aufzusetzen.
Checkliste: Digitaler Nachlass¶
- Es gibt eine Vertrauensperson, die im Notfall handeln kann und weiß, dass sie diese Rolle hat.
- Diese Person weiß, wo das Notfalldokument liegt – und wie sie darauf zugreifen kann.
- Das Notfalldokument enthält Anweisungen für den Ausfall- oder Todesfall.
- Ich habe eine schriftliche Vollmacht vorbereitet oder zumindest geprüft, ob ich eine brauche.
- Das Thema ist in meinem Testament oder meiner Nachlassplanung berücksichtigt.